Dumme Fische
Im Ozean steigt die Kohlendioxidkonzentration des Wassers kontinuierlich an - und das hat für viele Meerestiere unangenehme Folgen.
(Paolo Domenici, Istituto per l'Ambiente Marino Costiero, Torregrande, et al.: Journal of the Royal Society: Biology Letters, Online-Vorabveröffentlichung, doi: 10.1098/rsbl.2011.0591)
Eine bisher unbekannte Eigenart hat jetzt ein australisch-italienisches Biologenteam bei einem kleinen Riffbarsch namens Neopomacentrus azysron entdeckt: Die Fische werden dümmer. Normalerweise gelten sie als sehr clever, vor allem, weil sie wie Affen und Menschen ihre beiden Gehirnhälften für unterschiedliche Aufgaben benutzen und damit schneller und flexibler reagieren können als andere Fische. Damit einher geht die Vorliebe der einzelnen Tiere für eine Körperhälfte - sie sind sozusagen Rechts- oder Linkshänder, oder wären es zumindest, wenn sie denn Hände hätten.
Diese Quasi-Händigkeit führt dazu, dass sie sich in einer labyrinthartigen Umgebung konsequent nach rechts oder nach links orientieren und dadurch recht schnell hindurchfinden. Doch damit könnte Schluss sein, wenn der CO2-Gehalt im Wasser weithin steigt, konnten die Wissenschaftler zeigen: Ließen sie die kleinen Fische bei Kohlendioxidkonzentrationen aufwachsen, wie sie für das Jahr 2100 vorhergesagt werden, entschieden die Tiere an einem Hindernis völlig willkürlich und rein nach dem Zufallsprinzip, ob sie nach rechts oder nach links schwammen. Das zeige, dass die Arbeitsteilung im Gehirn nicht mehr richtig funktioniere, interpretieren die Forscher - und das lasse befürchten, dass die Fische auch in anderen Bereichen durch das Treibhausgas beeinträchtigt würden.